Ich habe die folgende Geschichte schon einige Male erzählt und bei jedem Mal, wo ich es wieder tue, füllt sich mein ganzer Körper mit tiefster Freude. Ich komme dann aus dem Grinsen nicht mehr raus, meine Haut fängt leicht zu kribbeln an, bis dann ein Zittern einsetzt, das meinen gesamten Brustkorb zusammenziehen lässt. Und mein Herz zum Hüpfen bringt.
Die Hälfte dieser Glücksgefühle sind einem Menschen zuzuschreiben. Ich nenne diesen Menschen jetzt einfach mal.. Lena.
Es war am 04. Juni 2011 irgendwo in der Eifel.. Naja, gut. Nicht irgendwo. Ich war bei Rock am Ring, zum zweiten Mal in meinem Leben. Nach einem recht stressigen Freitag und Samstagmorgen und keinen sonderlich guten Bands am Freitagabend bewegte sich die Zeit auf den Höhepunkt meines Wochenendes zu, weswegen ich mir auch die Karte gekauft hatte. Coldplay.
Nach einem recht gemütlichen Mittag auf unserem Zeltplatz, an dem manche etwas mehr, andere etwas weniger getrunken hatten, machten wir uns in Richtung Konzertgelände. Dank’ eines total Betrunkenen unserer Gruppe dauerte es erst einmal Ewigkeiten, bis wir uns dem Eingang näherten.
Nachdem wir dann endlich angekommen waren – den Besoffenen hatten wir an irgendeiner Brücke sitzen lassen, weil er es einfach selber Schuld war – schauten wir uns ‘ne Band auf der CenterStage an. Ich weiß grade gar nicht mehr, welche Band das war, ich weiß allerdings, dass wir “nur” in den Bereich B kamen. Ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich Coldplay natürlich von A sehen wollte, allerdings ist B ja auch nicht der am weit entfernteste Bereich.
Normal ist es auf dem Ring ja dann auch so, dass man, wenn man von B in A will, erst aus B raus muss. Dann ist man in C und kann versuchen, in A zu kommen. Da hierbei allerdings auch immer das Risiko besteht, seinen Platz in B zu verlieren, haben wir das nicht gemacht.
Aus irgend einem Grund war das an dem Tag aber anders. In einer Umbaupause saßen wir in einer Boxengassen und bemerkten, wie die Securitys auf einmal den Weg von B in einen Vorbereich von A öffneten. Ich dachte mir, dass da nix zu verlieren sei, schließlich konnte man somit ja zurück in B. Wir und etwa 500-1000 andere bewegten uns also so schnell es ging in den Vorbereich, von wo wir allerdings nicht weiterkamen. Nach langem warten meinten die Securitys, es ginge nicht weiter, wir sollten alle wieder zurück in B gehen. Aus der Freude vom Anfang, Coldplay doch noch von vorne sehen zu können, wurde daraus eine kleine Resignation.
Wir versuchten die Zeit rauszuzögern, indem wir extra nochmal alle auf Klo gingen, obwohl wir gar nicht mussten. Das alles half jedoch nichts. Während wir da standen um auf unsere Klogänger zu warten, sahen wir dann, wie eine Frau von einem Securitytypen, der aussah wie ein Hamster, geschlagen wurde, weil sie scheinbar akkustisch nicht gehört hatte, dass sie aufstehen solle. Alle wurden laut, die Frau schrie.. Das war ziemlich mies anzusehen, weil man überhaupt nichts machen konnte.
Als letzter versuchte ich, durch das Warten auf dem Klo Zeit zu schinden, um doch noch das Öffnen der Tore zu A mitzuerleben. Als ich vom Klo kam, sah ich dann jedoch, dass unsere Gruppe schon wieder im B Bereich stand und auf mich wartete.
Etwas traurig ging ich dann auch mit dem Wissen, nicht mehr in A zu kommen, in B zurück. Und hier beginnt der Kern der Geschichte.
Die eingangs erwähnte Lena war Teil unserer Gruppe. Sie war mit uns auf dem Zeltplatz und hatte ein paar CDs von einer Dorfband von uns dabei, um sie zu verteilen. Als ich wieder zurück kam, fragte sie, ob ich versuchen wolle, mit ihr in A zu kommen – die anderen hätten alle keine Lust bzw. sähen keinen Sinn darin.
Vom Willen getrieben, Coldplay von ganz vorne zu sehen, dachte ich mir, dass man es auf jeden Fall mal probieren könne, auch wenn ich die Chancen schlecht einschätzte. Wir gingen zu den Securitys, sie mit ihrer Umhängetasche, den CDs und – was noch ein guter Zufall war – mit einem “VIP-Bändchen”. Die Bändchen hatten wir, weil wir auf einem Privatzeltplatz waren. Die Bändchen waren dabei aber eigentlich nur als Scherz gedacht.
“Hallo, wir sollen die CDs da vorne verteilen, um so eine Band zu promoten. Man hat uns hier die Bändchen gegeben”. So oder so ähnlich begann Lena ihre 5-minütige Überzeugungsphase. Völlig planlos holten die Securitys zur Unterstützung einen weiteren Kerl dazu, der ein Heft dabei hatte, in dem alle Bändchen, die offiziell Erlaubnis zum Bereich A gewährten, aufgelistet waren. Unseres Bändchen war, oh Wunder, nicht dabei. Wir taten ein bisschen bedrückt, wiederholten nochmal unsere Position und unseren Auftrag und machten einen Hundeblick. Einer der Securitys, der zugegebenermaßen nicht der hellste war, schaute sich um und..! Lies uns durch! Oh mein Gott. Er lies uns durch. In A. Wir standen in A. Gingen ganz lässig ein paar Schritte nach vorne, mein Herz total am explodieren, voller Freude. Am rasen! Erstmal runterkommen. Und umdrehen. Und diesen unfassbar geilen “WHAT THE FUCK??!-Blick” von den etwa 10 anderen sehen, von denen jeder gesagt hatte “Ne, ich wills gar nich probieren, klappt eh nicht!”.
Was folgte war ein unfassbar geiles Konzert bei extremstem Gewitter. Alleine schon der Moment, als Chris Martin zu singen anfing. Oder, der wohl wundervollste Momente, als Fix You kam. Vom Himmel hoch am Regnen, am Blitzen. Und dann die Worte “Tears stream down your face”, das Gesicht voller Regentropfen und “Lights will guide you home” bei hell erleuchtetem Blitzhimmel. Ich werde es nicht vergessen. Und dich, wenn ich daran denke, auch nicht, Lena. Tausend Dank dafür, dass du mir einen wunderschönen Abend noch bereichern konntest :) Ich liebe die Erinnerung an diesen Abend! Danke Danke Danke (:










Geschrieben von Krait
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